
Die von Leonard Stein in den 60er Jahren als „doctor-nurse-game“ beschriebene interdisziplinäre Zusammenarbeit von Pflegepersonal und ÄrztInnen ist Alltag im AKH: männliche-medizinische Autorität wird durch die Verleugnung weiblich-pflegerischer Kompetenz aufgebaut. Die Krankenschwestern stellten die autonome Führungsposition und das alleinige Entscheidungsrecht des Arztes nicht in Frage. Ärztliche Tätigkeiten erfuhren eine hohe Wertschätzung, wohingegen pflegerische Aufgaben nicht als kompetent und professionell definiert wurden. Die Schwestern mussten ihr Erfahrungswissen vorsichtig einbringen, um das medizinische Wissensmonopol nicht anzugreifen. Das AKH erscheint auch im Jahr 2016 wie ein Zeitkapsel, traditionelle Rollenbilder werden bewusst und unbewusst gelebt, auch wenn sich die Profession und Geschlechterrollen in beiden Berufsgruppen stetig verändern. Viele Pflegekräfte kennen dieses Spiel nur allzu gut, doch die Frage stellt sich wie neue Spielregeln entworfen werden können? Im „doctor-nurse-game“ gelten Pflegefachkräfte als SpielverderberIn, wenn sie offen Konflikte ansprechen. Vielleicht entscheide ich mich ab heute SpielverderberIn zu werden, um das traditionelle Spiel dieser zentralen Berufsgruppen im AKH zu beenden.